Wenn ich so die Notizen zur Vikriti* aller meiner Klient:innen durch blättere, fällt sofort auf, dass ein Vata-Pitta-Ungleichgewicht ganz unglaublich viel häufiger vorkommt, als jede andere Dosha-Kombination. Woran das liegt? An unserem Lebensstil. Ein Vata-Pitta-Ungleichgewicht ist sozusagen die logische Folge der Art und Weise wie wir heute leben und arbeiten.

Wer unregelmässig schläft und isst, in einem kompetitiven Umfeld arbeitet und oft zu wenig Zeit hat für sich, fürs Essen und für ausreichende Bewegung, hat ein erhöhtes Risiko, dass sowohl Vata als auch Pitta aus dem Gleichgewicht geraten. Und wenn wir ehrlich sind, trifft das auf so gut wie alle von uns mindestens zeitweise zu. Daher erstaunt es wenig, das Vata-Pitta-Ungleichgewichte uns Therapeut:innen weitaus am häufigsten begegnen. Vata, das Prinzip der Bewegung und der Dynamik bringt Trockenheit und Kälte in unseren Körper, während Pitta, das Feuer-Element, unsere Verdauung so schnell werden lässt, dass Nährstoffe nicht mehr richtig gelöst werden können und Durchfall entsteht. Das Resultat ist eine Mangellage im Verdauungstrakt, diese kann dann entweder zu Gewichtsverlust oder zu unkontrollierbarem Heisshunger führen. Wahlweise auf Süsses (meist dann, wenn wir traurig sind), Salziges (meist aus Langeweile) oder Saures (meist bei Menschen, die viel reden müssen). Auf der psychischen Ebene bläst uns Vata jeden klaren Gedanken sofort wieder aus dem Kopf, sobald er entsteht. Pitta wäre an sich das perfekte Gegenmittel dazu, denn das Feuer-Element ist zuständig für unsere Intelligenz und auch für unseren Fokus. Aber wenn Pitta ebenfalls aus dem Gleichgewicht geraten ist, dann wird aus dem Fokus schnell entweder eine eher ungute Fixierung oder auch Prokrastination – also eigentlich auch irgendwie Fokus, nur halt nicht auf das, was eigentlich anstehen würde. Denn so funktionieren unsere Doshas: sind sie im Gleichgewicht, bringen sie uns durchaus auch Gutes: Vata sorgt für Kreativität und Pitta für den totalen Durchblick (da es sowohl auf die Augen als auch auf unser Gehirn wirkt). Aber im Übermass macht uns Vata hibbelig und Pitta reizbar.

Vata ist kalt und Pitta ist heiss. Vata ist trocken und Pitta ist etwas feucht. Wie gestaltet man dann eine Ernährung, die beides besänftigt? Zunächst sucht man am besten diejenigen Dinge, die beide Doshas senken. Das sind zum Beispiel süsser Geschmack, wobei süss nicht Industriezucker meint. Reis ist zum Beispiel süss. Aber auch viele Früchte gehören in diese Kategorie. Diese Kategorie sollte das Grundgerüst der Vata-Pitta-Ernährung bilden. Dann gibt es Dinge, die für eines der zwei Doshas gut sind, und dem anderen nicht ganz so viel ausmachen. Davon gerne auch grosszügig mit einbauen. Dass Dinge, die beide Doshas weiter anstacheln eher nicht so super sind, versteht sich fast von selbst. Weiter gibt es aber dann natürlich auch Dinge, die für eines der beiden Doshas gut wären, für das andere aber eben gerade nicht so wirklich. Was tut man damit? An dieser Stelle erinnern wir uns daran, dass Ayurveda noch nie vorhatte, die Grundlage einer «Essen-Verboten-Liste» zu werden. Ayurveda lehrt uns, welche Dinge für unser Gleichgewicht förderlich sind, und welche eher nicht. Diejenigen, die es nicht sind, dürfen wir trotzdem essen. Wir sollten sie aber mit Verstand geniessen. Wer nun gleichzeitig zwei Doshas zum Balancieren hat, wird feststellen, dass nicht jeder Tag gleich ist, in Bezug auf Gemütslage und Verdauung. Eines der beiden hat oft ein wenig die Oberhand. Dann bietet es sich an, Dinge mit einzubauen, die gezielt dasjenige Dosha besänftigen, das gerade am aufmüpfigsten ist.

So entsteht die untenstehende Liste, zur Orientierung bei einem Vata-Pitta-Ungleichgewicht. Damit es einigermassen übersichtlich bleibt, nimmt die Liste in der Kategorie «nicht zu viel» diejenigen Dinge zusammen, die entweder ein Dosha erhöhen, ohne für das andere senkend zu wirken mit denjenigen, die auf beide keine spezifische Wirkung haben. Dazu ist auch hier zu sagen, dass alle diese Listen dazu dienen sollen, gezielt passende Nahrungsmittel zu bevorzugen. Und nicht alles, was nicht darauf steht, nie mehr zu essen. Kein Mensch wird immer konstant nur von einem oder nur von zwei Dosha beeinflusst. Wir alle haben alle drei Doshas in uns. Einfach in unterschiedlichen Ausprägungen. Deshalb bringt eine sehr einseitige Ernährung auch keine Balance sondern würde nur neue Probleme schaffen.

Die anderen drei Geschmacksrichtungen katu (scharf), kashaya (bitter) und tikta (herb oder zusammenziehend) erhöhen Vata und sollten daher vermieden oder reduziert werden. Daraus ergeben sich Listen von für das Vata-Dosha empfohlenen Lebensmitteln. Dazu ist jedoch zu sagen, dass diese Listen dazu dienen sollen, gezielt passende Nahrungsmittel zu bevorzugen. Und nicht alles, was nicht darauf steht, nie mehr zu essen. Kein Mensch wird immer konstant nur von einem Dosha beeinflusst. Wir alle haben alle drei Doshas in uns. Einfach in unterschiedlichen Ausprägungen. Deshalb bringt eine einseitige Ernährung auch keine Balance sondern würde nur neue Probleme schaffen.

*Vikriti ist die aktuelle Konstitution, nicht zu verwechseln mit Prakriti, der individuell natürlichen Konstitution. Die Vikriti kann ausgeglichen sein, ist es aber in aller Regel nicht heutzutage. Eine unausgeglichene Vikriti macht uns krank. Die Prakriti hingegen, ist im Gleichgewicht obwohl auch hier nicht alle Doshas gleich stark sind. Denn wir alle haben ein ganz persönliches Gleichgewicht, so individuell wie ein Fingerabdruck.

Getreide

Reduziert Vata & Pitta:
Amaranth, Quinoa, Reis, Roter Reis, Milchreis, Risottoreis

Reduziert Vata und lässt Pitta in Frieden:
Dinkel, Weizen, Hafer

Reduziert Pitta und lässt Vata in Frieden:

nicht zu viel:
Wildreis, Gerste, Hirse, Mais, Buchweizen

Mit Verstand geniessen, da es Vata und Pitta erhöht:

Hülsenfrüchte

Reduziert Vata & Pitta:
Grüne Bohnen, Mung-Dahl

Reduziert Vata und lässt Pitta in Frieden:

Reduziert Pitta und lässt Vata in Frieden:
Erbsen, Kidneybohnen, Lupinen, Weisse Bohnen, Tofu

nicht zu viel:
Linsen, Straucherbse, Sojabohne, Urad-Dahl

Mit Verstand geniessen, da es Vata und Pitta erhöht:
Kichererbsen (wenn dann auf keinen Fall trocken, sondern in einem guten Öl, zum Beispiel als Humus)

Süssmittel

Reduziert Vata & Pitta:
Rohrzucker

Reduziert Vata und lässt Pitta in Frieden:
Ahornsirup, Waldhonig

Reduziert Pitta und lässt Vata in Frieden:
Sharkara

nicht zu viel:
Birnendicksaft, Jaggery, Birkenzucker

Mit Verstand geniessen, da es Vata und Pitta erhöht:

Öle

Reduziert Vata & Pitta:
Ghee

Reduziert Vata und lässt Pitta in Frieden:
Leinöl

Reduziert Pitta und lässt Vata in Frieden:
Olivenöl, Kokosöl, Sonnenblumenöl

nicht zu viel:
Senföl, Sesamöl, Traubenkernöl

Mit Verstand geniessen, da es Vata und Pitta erhöht:

Gemüse

Reduziert Vata & Pitta:
Fenchel, Radieschen, Randen, Rüebli, Artischokken, Okra, Paprika, Zuchetti, Avocado, Kartoffeln, Kürbis, Spargel, Steckrüben

Reduziert Vata und lässt Pitta in Frieden:

Reduziert Pitta und lässt Vata in Frieden:
Gurken, Spinat, Blumenkohl, Brokkoli, Mangold, Rosenkohl, Kohlrabi

nicht zu viel:
Lauch, Sellerie, Rettich, Sprossen, Radicchio, Chicorée, Löwenzahn, Blattsalat, Aubergine

Mit Verstand geniessen, da es Vata und Pitta erhöht:
Tomaten

Früchte

Reduziert Vata & Pitta:
Blaubeeren, Nektarinen, Rosinen, Süsse Äpfel, Weintrauben, Granatapfel, Papaya, Quitten, Bananen, Birnen, Datteln, Frische Feigen, Honigmelone, Kirschen, Mangos, Wassermelone

Reduziert Vata und lässt Pitta in Frieden:
Saure Äpfel

Reduziert Pitta und lässt Vata in Frieden:
Pfirsiche

nicht zu viel:
Trockene Feigen, Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Klementinen, Zitronen, Ananas, Limetten, Orangen, Pflaumen

Mit Verstand geniessen, da es Vata und Pitta erhöht:
Grapefruit

Nüsse und Kerne

Reduziert Vata & Pitta:
Leinsamen, Marroni, Walnüsse, Cashewnüsse, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne

Reduziert Vata und lässt Pitta in Frieden:
Mandeln, Pistazen, Haselnüsse, Pinienkerne

Reduziert Pitta und lässt Vata in Frieden:

nicht zu viel:
Erdnüsse

Mit Verstand geniessen, da es Vata und Pitta erhöht:

Gewürze

Reduziert Vata & Pitta:
Fenchel, Kardamom, Koriander, Kurkuma, Langer Pfeffer (Pippali), Safran, Vanille

Reduziert Vata und lässt Pitta in Frieden:
Anis, Dill, Ingwer trocken, Königskümmel, Rosmarin, Zimt, Petersilie, Salz (allerdings nur in sehr vernünftigen Mengen)

Reduziert Pitta und lässt Vata in Frieden:
Nelken

nicht zu viel:
Basilikum, Bockshornkleesamen, Ingwer frisch, Kreuzkümmel, Kümmel, Muskatnuss, Pfeffer, Salbei, Thymian

Mit Verstand geniessen, da es Vata und Pitta erhöht:
Chili

Getränke

Reduziert Vata & Pitta:
Warmes Wasser, Fruchtsaft

Reduziert Vata und lässt Pitta in Frieden:
Grüner Tee, Ingwertee, Takra

Reduziert Pitta und lässt Vata in Frieden:

nicht zu viel:
Scharfe Kräutertees

Mit Verstand geniessen, da es Vata und Pitta erhöht:
Kaffee, Schwarztee

Tipps und Tricks
  • Der ultimative Geheimtrick, um Vata-Pitta-Überschüsse in den Griff zu bekommen, ist Bewegung. Am besten an der frischen Luft. Aber auch eine fliessende Yogaklasse kann Wunder wirken. Bei Dhara nennen wir diese Art von Yoga Anila, was auf Sanskrit Wind heisst.
  • Regelmässigkeit und Routine im Tagesablauf sind unglaublich wichtig für Vata-Pitta. Sie tun Vata gut und Pitta ist richtig gut darin, das zu organisieren. Insbesondere regelmässige Zeiten zum Schlafengehen, Aufstehen und für die Mahlzeiten sind wichtig.
  • Essen sollte bei Vata-Pitta stets warm, gekocht und leicht verdaulich sein. Wer wirklich viel Pitta hat, kann mit etwas Rohkost umgehen, besonders am Mittag, aber wenn Vata noch mitmischelt, dann sollte man seiner Verdauung mit gekochten Essen etwas Gutes tun.